Die Markweghalle wird für die Kuties zum Fernseh-Studio

2. Handball-Bundesliga Frauen: Die Live-Übertragungen der SG H2Ku Herrenberg erreichen inzwischen fast dreimal mehr Zuschauer als im normalen Spielbetrieb vor Corona. Spitzenwert waren 1450 Klicks beim Württemberg-Derby gegen Nürtingen. Möglich gemacht haben das alles IT-Architekt Martin Kemm und sein Sohn.

06. Februar 2021, Kreiszeitung Böblinger Bote

Von Vanessa Frey

Wenn am Sonntag um 16.30 Uhr das Spiel der Herrenberger Zweitliga-Mannschaft in der Markweghalle angepfiffen wird, ist es auch für zahlreiche Zuschauer wieder Zeit vor dem Laptop oder Smart-TV auf Play zu drücken. Denn dann startet das „Studio Markweg“ mit der Übertragung der Partie über sportdeutschland.tv. Die SG H2Ku, sowie die gesamte Liga, agiert nach der „Corona-Verordnung Sport“ mit einer Sondergenehmigung und darf den Spielbetrieb ohne Zuschauerbeteiligung durchführen. Die Verantwortlichen des Gäu-Clubs wollen die Fans trotzdem teilhaben lassen und bieten seitdem eine Live-Übertragung für Fans und Handball-Interessierte an. „Es ist wirklich auch ein großes Privileg für die Kuties, dass sie in diesen Zeiten ihren Sport fast ganz normal ausüben dürfen“, sagt Katja Rhotert, Geschäftsführerin der SG H2Ku Herrenberg Handball GmbH. 

Durch einen Zufall kam Rhotert im Oktober mit Martin Kemm darüber ins Gespräch, die Spiele der SG digital an die Fans zu bringen, bisher fehlte den Verantwortlichen die Ausrüstung und das technische Fachwissen. Der berufliche IT-Architekt ist selbst leidenschaftlicher Handballer, sein Sohn Jason spielt in der D-Jugend der SGH2Ku. „Unsere gesamte Familie brennt für den Sport, deshalb habe ich mich bereiterklärt, mich der Technik anzunehmen“, erklärt Martin Kemm, der gemeinsam mit seinem Sohn den Aufbau sowie den laufenden Betrieb des Streams verantwortet. „Während der Übertragung bedient Jason den Zählerstand, die Spielzeit und die Szeneneinstellungen“, schildert der 43-jährige, „wir versuchen die technischen Gegebenheiten stetig zu verbessern, sind zum Beispiel dabei, die bisher privat gestellte Hardware durch vereinseigene, zukunftsfähige Hardware zu ersetzten.“ Bereits zwei Stunden vor der jeweiligen Partie sind die beiden und ein zusätzlicher Kameramann in der Halle, um den Aufbau und einen Technik-Test durchzuführen, zehn Minuten vor Anpfiff beginnt dann mit der Live-Schalte die heiße Phase. 

„Inzwischen sind die Aufgaben eingespielt, und die Handvoll ehrenamtliche Helfer freuen sich jedes Mal darauf, in die Halle gehen zu dürfen“, ist Katja Rhotert zufrieden, „wir haben durchschnittlich 1.150 Klicks pro Spiel, wobei das Spiel gegen Nürtingen am 21.11.20 mit 1.450 Klicks der bisherige Spitzenreiter war.“ Im Vergleich: unter normalen Bedingungen wären zirka 500 Zuschauer in der Markweghalle vor Ort, unter Hygieneauflagen nur knapp 180. Über eine „digitale Eintrittskarte“ per Überweisung oder PayPal können Zuschauer zudem der SG H2Ku eine freiwillige finanzielle Unterstützung entgegenbringen. „Ein wichtiger Baustein für uns“, erklärt Rhotert, „auf der Ligatagung im Mai letzten Jahres wurde von den Zweitligisten geäußert, dass wir maximal zwei Spiele ohne Zuschauer durchhalten können – inzwischen gehen wir davon aus, dass wir die komplette Saison ohne Eintrittsgelder und Bewirtungsumsatze spielen werden.“

Auch die Einbindung des Publikums während der Kommentierung über moderne Medien wurde in den letzten Wochen zunehmend wichtiger. Beim letzten Heimspiel gegen den HC Leipzig vor zwei Wochen beispielsweise waren mit Anja Beißert und Rebecca Frey zwei ehemalige Spielerinnen am Mikro, die interaktiv Grüße an Fans aus ganz Deutschland rausschickten. „Es hat uns beide sehr gefreut, dass die Beteiligung und das Feedback so positiv war“, freut sich die ehemalige Rechtsaußen Anja Beißert. Intensiv hatten sich beide auf die Übertragung vorbereitet und gar bei Fußball-Bundesliga Spielen im TV nochmal genauer hingehört. „Auf welche Details oder Geschichten geht der Kommentator ein oder welche Fakten sind wichtig, als normaler Rezipient achtet man nicht so sehr auf solche Details“, erklärt Rebecca Frey, „als wir dann endlich live waren, haben wir uns in einem regelrechten Tunnel befunden und hatten durch die gute Vorbereitung genug Gesprächsstoff.“ 

Im obligatorischen Studio in der Mitte der Tribüne trudelten dann zahlreiche Meldungen per Mail oder Social Media ein. „Das möchten wir auch in Zukunft fortführen“, meint Katja Rhotert, „weitere Ideen können uns auch gerne jederzeit über live@sgh2ku.de geschickt werden.“ Ob dieses Modell auch im normalen Spielbetrieb oder bei Spielen der ersten Männermannschaft fortgesetzt wird? „Das können wir uns durchaus vorstellen“, so Rhotert, „zumal es auch unseren Partnern eine größere Werbeplattform bietet.“ Alle Voraussetzungen die Zuschauer aus dem „Studio Markweg“ auch weiterhin mit Handballsport aus dem Gäu zu unterhalten sind definitiv geschaffen. Am Sonntag werden erneut zwei Ex-Kuties am Mikrofon sitzen, dieses Mal kommentieren Lisa Gebhard und Sulamith Klein. 

Weitere Informationen gibt es unter: frauen.sgh2ku.com/bundesliga-team/livestream/