weibliche D-Jugend der SG H2Ku Herrenberg schnappt sich den erstmalig ausgetragenen BWHV-Pokal im 7m-Schießen

Am letzten Märzwochenende waren die acht besten weiblichen D-Jugendmannschaften nach Metzingen geladen, ihren Baden-Württembergischen Meister zu ermitteln. Dazu traten sie in der Vorrunde in zwei Vierergruppen an. Mit der SG BBM Bietigheim, der HSG Bargau/Bettringen und dem HC Mannheim-Vogelstang erwarteten die Herrenberger Mädels weitestgehend unbekannte Gegnerinnen. In der anderen Gruppe tummelten sich die Murgtal Panthers aus Gaggenau, die HSG Stuttgarter Kickers/Metzingen, die HSG Freiburg und die SG Heidenheim-Steinheim.

Im ersten Spiel gegen die SG BBM Bietigheim hätte die Nervosität der kleinen Kuties kaum größer sein können. Die verkürzte Spielzeit auf lediglich 18 Minuten taten ihr übriges zum vermasselten Turnierauftakt. Zwar startete die SG mit einer 3:1-Führung durch zweimal Lia Dürner und Juli Bessey, danach aber wirkte die SG-Abwehr so löchrig wie ein Schweizer Käse. Immer wieder fanden dabei die drei stärksten Bietigheimerinnen, Mina Salzer, Mira Bässler und Mathilda Wiesen die Löcher im SG-Verbund. Sie warfen am Ende zusammen 15 der 17 erzielten Treffer für ihre Farben. Die SG-Mädchen erarbeiteten sich zwar im Angriff auch zahlreiche Torchancen, konnten diese aber oftmals nur am gegnerischen Gebälk unterbringen. Bis zur 9. Minute gelang es den SG-Mädels trotzdem, beim 8:8 durch Lina Merz in Schlagdistanz zu bleiben, allerdings musste das Team von Andreas Vogt dann abreißen lassen. Beim 9:13 in der 12. Minute war der Vorsprung für die Enztälerinnen auf vier Tore angewachsen, in der 16. Minute betrug der Abstand dann sogar fünf Tore. Der Bietigheimer Vorsprung konnte zwar nochmals verringert werden beim 13:16 durch Matea Marlovic, aber bis zum Ende der Spielzeit nicht mehr eingeholt werden. Am Ende ging es verdient mit einer 14:17 Niederlage vom Spielfeld.

Um das Halbfinale noch zu erreichen, mussten damit die beiden anderen Gruppenspiele gewonnen werden. Und egal welche Worte es waren, die Vogt und sein Trainerteam an die Mädchen in der Pause gerichtet hatten, diese fruchteten und die Nervosität war gegen die HC Mannheim-Vogelstand wie weggeblasen. Bis zur 4. Minute konnten die Mannheimerinnen das hohe Tempo der SG-Mädchen mitgehen, danach allerdings führte ein ums andere Mal eine aufmerksame Abwehr zu schnellen Toren bis der Vorsprung sechs Tore in der 12. Minute nach einem Tor von Cleo Mössinger zum 13:5 stolze 8 Tore betrug. Der große Unterschied zwischen den kleinen Kuties und ihren Gegnerinnen machte sich deutlich bemerkbar: während bei Mannheim 8 von 9 Treffern durch lediglich zwei Torschützinnen erzielt wurden, trugen sich auch beim zweiten Spiel in Herrenbergs Torschützenliste nahezu alle Mädchen ein. So markierte Malea Mayer beim 19:9 den Endstand in einem einseitigen Spiel.

Bei ihrem Endspiel um das letzte Halbfinalticket bekamen es unsere jungen Wilden mit der HSG Bargau/Bettringen zu tun. Der Sieger dieses Spiels würde auf den Gruppenersten der Gegengruppe im Halbfinale treffen. Und die SG zeigte von Beginn an, dass sie es sein wollten, die in die K.O.-Phase des Turniers einziehen wollen. Hinten besorgten sich die aufmerksamen Abwehrreihen die Bälle, schickten ihre Kreisspielerin Bessey auf die Reise, welche dann eiskalt einnetzte und so vier der sieben ersten Treffer für ihr Team erzielte. Als dann Theresa Schuster in der 8. Minute nach einem schönen Durchbruch auf 8:3 erhöhte, sah sich der Herrenberger Nachwuchs schon auf die Siegerstraße einbiegen. Doch wer dachte, dass die HSG das Halbfinalticket kampflos überreichen würde, sah sich getäuscht: vor allem Lotta Keyßner stemmte sich gegen die drohende Niederlage und verkürzte in der 12. Minute nochmals auf 3 Tore. Dann aber schlug die Stunde der Youngster: Lara Müller, Leni Haag und vor allem Carlotta Alheit zeigten mit ihren Treffern, dass auch der jüngere Jahrgang den alten Hasen in nichts nachsteht. So bauten sie das Torepolster drei Minuten vor Ende wieder auf 5 Tore Differenz auf, wodurch die Tore der erfahrenen Dürner und Mayer nur noch zur Ergebnisverwaltung bis zum Endstand 18:13 dienten. Der vielumjubelte Einzug ins Halbfinale war geschafft.

Dort wartete mit der HSG Freiburg der Gruppensieger der Parallelgruppe auf die kleinen Kuties. Auch die Freiburger Mädchen waren es aus der Saison gewohnt, stets als Sieger vom Platz zu gehen. So war der SG-Tross gewappnet für ein anstrengendes Spiel, zumal der Gegner mit mindestens 50 Fans und Trommlern angereist war. Doch wer dachte, dass das die Herrenbergerinnen erneut nervös werden ließ, wurde schnell eines Besseren belehrt. Zwar konnte die HSG im ersten Angriff bereits nach 10 Sekunden durch Lina Leslie in Führung gehen, dann aber legten die SG-Mädels los wie die Feuerwehr. Postwendend glich Martha Behringer aus, ehe Juli Bessey mit einem Hattrick auf 4:1 (5. Minute) stellte. Und diesen Abstand konnten die SG-Mädels nicht nur halten, sondern sogar innerhalb von vier Minuten verdoppeln durch schöne Passstaffetten, die in Toren von Carlotta Alheit und Malea Mayer mündeten (9. Minute, 9:3). Nach und nach verstummte dadurch der Freiburger Fantross, nur noch die kühnsten Optimisten glaubten im badischen Lager an eine Überraschung. Die offensive SG-Abwehr stellte die Freiburger im weiteren Spielverlauf vor immer größere Probleme, weshalb die SG so über die vorgezogene Bessey (12. Minute, 13:5) zu einfachen Kontertoren kam. Die Mädchen spielten sich nahezu in einen Rausch, bejubelten mit ihren Fans jeden erzielten Treffer und fuhren letztlich einen ungefährdeten 16:8 Halbfinalsieg ein.

Im Finale warteten dann erneut die Mädchen von der Enz auf die SG H2Ku Herrenberg. Hier hatte man aus dem Vorrundenspiel noch eine Rechnung offen und wollte unbedingt die einzige Saisonniederlage egalisieren. Dass die Bietigheimerinnen, die sich in ihrer Halbfinalpartie mit 19:15 gegen die HSG Stuttgarter Kickers/Metzingen durchsetzten, aber erneut als Siegerinnen das Parkett verlassen wollten, war zu erwarten. Und so entwickelte sich am Sonntag Nachmittag ein Krimi, der den abendlichen Tatort als Gute-Nacht-Geschichte erscheinen ließ. Den Thriller eröffnete die erneut überzeugende Mira Bässler mit einem Durchbruch, ehe Theresa Schuster sich durch die Bietigheimer Abwehr tankte (1:1) und Martha Behringer aus vier Versuchen vier mal einnetzte. Da sich immer wieder Bässler erfolgreich auf der anderen Seite zeigte, konnte sich keines der beiden Teams absetzen (5:5, 6. Minute). Bis zum 8:6 konnten sich die Mädchen aus dem Gäu eine kleine Führung erarbeiten, allerdings gelang aufgrund zweier auf SG-Seite ausgelassener Torchancen innerhalb von zwei Minuten den Enztälerinnen der Ausgleich (8:8, 10. Minute). Und dieses Oberwasser nutze erneut Bässler, die mit mehreren Treffern auf 10:12 zugunsten ihrer Farben in der 15. Minute einnetzte. Aber aufstecken gab es für die Herrenberginnen nicht und so fassten sich Lia Dürner und Schuster ein Herz und glichen eine Minute vor Schluss aus (13:13, 17.Minute). In der letzten Minute fielen sage und schreibe vier Tore, die sich auf beide Teams gleichmäßig verteilen sollten. Zweimal legte Bässler für Bietigheim vor, zweimal egalisierte Bessey die Bietigheimer Führungen. Viel umjubelt war dabei bei den SG-Anhängern ihr zweiter Treffer, wo sich die Kreisläuferin unerschrocken durch die Nahewurfzohne tankte und mit voller Energie den Ball zum 15:15 Endstand in die Maschen feuerte. So musste der Kampf um Baden-Württembergs Poleposition im 7m-Schießen entschieden werden. Die SG sollte vorlegen und ging durch die nervenstarke Schuster in Führung, bevor erneut Bässler für Bietigheim einnetzte. Auch Dürner lies der Bietigheimer Torspielerin bei ihrem Wurf keine Chance und erhöhte auf 17:16. Dann flatterten der nächsten Enztäler Schützin die Nerven und ihr Wurf landete am Pfosten. Behringer setzte hingegen ihre Kaltschnäuzigkeit fort und hämmerte den Ball unhaltbar ins Tor (18:16). Und weil das Glück an diesem Nachmittag auf Seiten der Herrenberger war, ging auch der nächste Bietigheimer Wurf an den Pfosten. Die sonst so sichere 7m-Schützin Alheit vergab den ersten Matchball, was aber nicht weiter tragisch war, denn erneut glänzte Marie Bauer im Tor und parierte den entscheidenden vierten Wurf vom Strich. Danach gab es auf Seiten der Herrenberger kein Halten mehr: Freudentränen rollten, Spielerinnen und Trainer lagen sich vor Erleichterung und Stolz in den Armen, bevor bei der Siegerehrung der Pokal des Baden-Württembergischen Handballverbandes in die Höhe gereckt werden konnte. Die Mannschaft von Chefcoach Andreas Vogt, Co-Trainerin Heike Bessey und Torwarttrainerin Kira Welte ist bei diesen Finalspielen über sich hinausgewachsen und hat als erster Baden-Württembergischer Meister einer beeindruckenden Saison die Krone aufgesetzt.

Für die SG spielten: Marie Bauer (im Tor), Leni Haag (4), Juli Bessey (20), Matea Marlovic (1), Martha Behringer (17), Theresa Schuster (10), Lina Merz (4), Cleo Mössinger (1), Lara Müller (2), Malea Mayer (7), Lia Dürner (8), Carlotta Alheit (11)