Vereinsarbeit: mehr als Titel und Training
Wer in diesen Wochen durch die Markweghalle oder über die Außenplätze der SG H2Ku Herrenberg spaziert, spürt sofort: Hier ist eine Jugendabteilung am Werk, die weit mehr zu bieten hat als Trainingspläne und Spielergebnisse. Es ist eine Gemeinschaft, die in diesem Sommer gleich mehrfach bewiesen hat, wozu sie fähig ist – sportlich wie menschlich. Vier Meistertitel, unzählige Sommerturniersiege, ein prall gefülltes Ferienprogramm und die Aussicht auf eine Saison mit gleich sechs Mannschaften in der Oberliga und einer in der Regionalliga:
Die Bilanz, die sich am Ende dieses Sommers ziehen lässt, kann sich sehen lassen.
Die vergangene Saison war eine zum Feiern
Den Grundstein für die gute Stimmung bildet die bloße Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die jede Woche fleißig zum Handball in die Halle, auf den Tartan oder im Sand erscheinen: inzwischen sind stolze 350 Kinder und Jugendlichen in 15 Mannschaften ab der D-Jugend (10-18 Jahre) engagiert. Dazu 70 Trainer, die sich auf um die Nachwuchshandballerinnen und -handballer auf und neben dem Feld kümmern. Von diesen Trainern können 32 entweder die B- oder C-Lizenz des Baden-Württembergischen Verbandes vorweisen, was auf eine sehr hohe Ausbildungsqualität schließen lässt.
Zu diesen schon beträchtliche Zahlen tummelt sich noch ein bunter Haufen an Kids von 5-10 Jahren in den Hallen, die von Minis bis E-Jugend weitere 12 Mannschaften stellen. Die Kleinsten sind dabei noch in den Stammvereinen TV Haslach, VfL Herrenberg und HSV Oberjesingen/Kuppingen organisiert, bevor sie in der D-Jugend in die Spielgemeinschaft übergehen. Die SG blickt mit Stolz auf die Stammvereine, die mit ihrer verlässlichen Arbeit jedes Jahr zahlreiche Talente ausbilden, die dann in den Jugendteams der SG den größten Teil der Talente ausmachen. Wohldosiert werden noch einzelne Talente aus den umliegenden Vereinen in die Leistungsmannschaften zur Verstärkung ergänzt. Leider muss die SG inzwischen zahlreichen schnupperwilligen Kindern eine Absage erteilen, da sie am Limit zwecks der Hallentrainingszeiten angelangt ist.
Dass die Arbeit der Trainerinnen und Trainer Früchte trägt, konnte die letzte Saison eindrucksvoll belegen:
Gleich vier Herrenberger Jugendteams durften sich am Ende über einen Titel freuen: die weibliche C1 holte den Staffelsieg in der Oberliga, während die männliche D2 in der Bezirksliga und die männliche D1 in der Bezirksoberliga jeweils als Staffelsieger vom Feld gingen. Gar den höchstmöglichen Titel sicherte sich dabei die weibliche D-Jugend als Baden-Württembergische Meisterinnen. Dabei krönten sie sich im Finale nach einem nervenaufreibenden Siebenmeterschießen und ließen große Namen wie die HSG Freiburg, die SG BBM Bietigheim und die HSG Stuttgart-Metzingen hinter sich.
Die Vereinsverantwortliche sprechen von einer „herausragenden Saison“, die vor allem eines zeige: Die kontinuierliche Aufbauarbeit im Nachwuchs trägt Früchte, und zwar auf breiter Front. Denn auch abseits der Titelträger hätten sich alle Mannschaften positiv entwickelt und wichtige Grundlagen für die kommenden Jahre gelegt.
Dass diese Entwicklung kein Strohfeuer ist, unterstrichen die Herrenberger Teams wenig später eindrucksvoll bei den Qualifikationsrunden für die neue Spielzeit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Sämtliche erste Mannschaften schafften den Sprung auf Verbandsebene. Bei den Jungen treten die A1, B1 und C1 künftig allesamt in der Oberliga Baden-Württemberg an. Bei den Mädchen gelang der A1, der B1 und der C2 ebenfalls der Sprung in die Oberliga – die C1 legte sogar noch eine Schippe drauf und qualifizierte sich für die Regionalliga-die höchste Jugendliga dieser Altersklasse. Auch die D-Jugenden bleiben ihrem gewohnten Niveau treu und werden erneut in der Bezirksoberliga und Bezirksliga aufschlagen.
Zwei Geschichten aus diesen Qualifikationswochen verdienen besondere Erwähnung, weil sie zeigen, mit welcher Nervenstärke die Herrenberger Talente inzwischen auftreten. Die weibliche C2 etwa reiste viermal durch Baden-Württemberg, bis das Finale in Stuttgart-Wangen anstand: die letzte Chance, um sich für die zweithöchste Spielklasse zu qualifizieren. Dafür mussten an diesem Tag von vier gegnerischen Teams zwei hinter sich gelassen werden. Nach einem soliden Auftaktsieg gegen die HSG Strohgäu verlor das Team um Chefcoach Micha Bauer einen bitteren Krimi gegen das Team Stuttgart in der letzten Sekunde, ehe gegen die favorisierte SG Untere Fils eine klare Niederlage folgte, die aber bewusst in Kauf genommen wurde, um Kräfte zu sparen. Im entscheidenden Duell um den letzten Oberligaplatz gegen den SV Tannau zeigte die neu formierte Truppe dann ihre beste Saisonleistung: 13 Minuten lang ließ die Herrenberger Abwehr praktisch nichts zu, am Ende stand ein deutliches 14:3 – und der Sprung in die Oberliga war perfekt. Bemerkenswert dabei: Das Team hatte sich erst innerhalb weniger Wochen neu zusammengefunden.
Etwas weniger dramatisch verlief die Regionalliga-Qualifikation der weiblichen C1 in Waiblingen. Nach nervösem Beginn gegen Gastgeber VfL Waiblingen (13:6) folgten zwei hauchdünne Erfolge gegen die SG Altdorf/Ettenheim (17:16) und gegen ein starkes Freiburger Team (13:12), ehe im entscheidenden Spiel gegen den bis dahin ungeschlagenen SV Allensbach mit großer Entschlossenheit ein klares 19:11 gelang. So konnte das Team ungeschlagen bereits nach der ersten Runde den direkten Einzug in die Regionalliga feiern. Das war damit der verdiente Lohn für eine Mannschaft, die sich diesen Erfolg über Monate angefangen bereits in der vergangenen Saison als zweites Team auf Bezirksebene hart erarbeitet hatte.
Talente im Rampenlicht
Dass der Verein auch bei der individuellen Förderung seiner Spielerinnen und Spieler auf einem guten Weg ist, zeigte sich bei drei Sichtungsmaßnahmen. Rebecca Gers (Jahrgang 2010) durfte beim Deutschland-Cup für das Team aus Baden-Württemberg auf Torejagd gehen, Mila Hammer (JG 2012) überzeugte beim Süd-Cup in Albstadt, einem Turnier zwischen mehreren Landesverbänden. Und die bis dato Jüngsten zeigten sich beim Bezirksfördergruppenturnier in der Göppinger EWS Arena. Fünf Mädchen der SG durften sich dort mit Talenten aus der gesamten Region messen – und die SG stellte den größten Block an Spielerinnen, die danach zum Talenttag an die Landessportschule Albstadt eingeladen werden. Mit Juli Bessey, Martha Behringer, Theresa Schuster und Lina Merz schafften es gleich vier Spielerinnen in die Top 50 des BWHV-Jahrgangs 2013, aus der sich künftig der Verbandskader bilden wird – ein starkes Signal für die Qualität der Herrenberger Nachwuchsarbeit. Bei den SG-Jungs zeigt sich ebenfalls, dass immer mehr Talente in den Bezirksfördergruppen aufschlagen und danach auch heiß begehrt bei den umliegenden Bundesligisten sind. Mehrere Spieler trainieren zusätzlich inzwischen in Balingen und bei der JANO Filder und sammeln dort zusätzliche Erfahrungen.
Besonders erfreulich ist, dass zahlreiche Talente den Sprung in die (erweiterten) Kader unserer ersten und zweiten Mannschaften oft schon als A-Jugendlichen gelingt. So sind mit Lennart Lohrer und Yanick Bross sowie Jannis Engau, Felix Peter, zahlreiche Eigengewächse bereits wichtige Bestandteile in Spiel oder Training des ersten Herrenteams.
Bei den Damen geht das Konzept erfolgreicher Jugendarbeit zwei Etagen höher genauso auf: so schafften zur neuen Saison mit Juliane Seidel, Sophy Lide, Charlotte Leidner, Gabriela Istrati, Anna Weingärtner und Ann-Sophie Huber gleich 6 Spielerinnen den Sprung in den (erweiterten) Kader der ersten Mannschaft.
Trainerjob wird ernst genommen: Aus- und Fortbildung im Fokus
Auch auf der Trainerseite wurde in diesem Sommer investiert. Mehr als 20 Trainerinnen und Trainer folgten der Einladung in die Markweghalle, um von Martin Berger zu lernen, Nachwuchskoordinator und U19-Trainer der Rhein-Neckar Löwen. Nach einer Theorieeinheit zu Werdegang und Trainingsphilosophie stellte sich die männliche A-Jugend als Demoteam zur Verfügung, sodass die versammelte Trainerschaft die Methoden zu Aufwärmen, Schnelligkeit sowie Abwehr- und Angriffstraining direkt in der Praxis erleben konnte. Einhelliger Tenor am Ende des Tages: Vieles davon wird nun seinen Weg ins eigene Training finden. Möglich gemacht hatte den Besuch Daniel Mössinger, Trainer der wC1, der den Kontakt zu Berger herstellte.
Sommer, Sonne, Sand: Die Turniersaison
Neben der ernsten sportlichen Weiterentwicklung kam auch der Spaß in diesem Sommer nicht zu kurz – im Gegenteil. Den Auftakt der Turniersaison markierte das 5-Athlon-Turnier in Kuppingen, bei dem eine Herrenberger Mannschaft mit einer beeindruckenden Gesamtleistung überzeugte. In der Kombination aus Handball, Beachbolz und diversen Geschicklichkeitsspielen ließ das Team der weiblichen D-Jugend von Andreas Vogt kaum etwas anbrennen: Sämtliche Handballspiele wurden gewonnen, wenn auch gegen Rottenburg erst nach zittriger Schlussphase, und auch beim Beachbolz setzte man sich gegen dieselben Rottenburger im Finale deutlich durch. Selbst ein kleiner Ausrutscher beim Säckchenwerfen konnte den am Ende verdienten Gesamtsieg nicht mehr gefährden. Als Belohnung gab es Tickets für ein Bundesligaspiel in Balingen – ein Preis, der die Vorfreude auf weitere gemeinsame Erfolge nur noch größer werden ließ. Auch die männliche D-Jugend durfte diesen Erfolg einheimsen.
Kurz darauf war es die männliche D-Jugend, die für Furore sorgte: Beim Rankbach Beachcup in Renningen reiste die SG gleich mit zwei Mannschaften an und musste sich zunächst an die besonderen Bedingungen des Beachhandballs gewöhnen. Von Spiel zu Spiel steigerten sich die jungen Herrenberger jedoch spürbar, überzeugten mit Einsatz und Teamgeist – und wurden am Ende mit dem Turniersieg sowie einem starken dritten Platz belohnt. Auch die weibliche D-Jugend und weibliche C-Jugend sicherte sich hier den Turniersieg.
Zum unbestrittenen Höhepunkt des Sommers geriet für viele jedoch der Allgäu Cup in Wangen, zu dem gleich acht Herrenberger Jugendmannschaften von A- bis C-Jugend aufbrachen. Bereits am Freitagnachmittag entstand mit acht Großraumzelten ein kleines SG-Zeltdorf, das für zwei Tage zur Heimat wurde. Bei sommerlichen Temperaturen sorgten ausgelassene Wasserschlachten für Abkühlung, während abends bei der traditionellen Turnierparty gemeinsam mit anderen Vereinen zu den aktuellen Hits gefeiert wurde. Auch im SG-Zeltdorf selbst wurde gefeiert: Gleich zwei Geburtstagskinder, Julie Dreher und – Schlag Mitternacht – Mathilda Zolg, durften sich über ein Ständchen der gesamten SG-Familie freuen. Sportlich krönte sich am Ende die weibliche C1 zum Turniersieger: Mit großem Kampfgeist spielte sich das Team bis ins Finale gegen Frisch Auf Göppingen, das sogar per Livestream übertragen wurde – ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten. Doch wie es im Rückblick auf dieses Wochenende so treffend heißt: Wertvoller als der Titel waren am Ende die gemeinsamen Erinnerungen, die neuen Freundschaften und der besondere Zusammenhalt, der die SG H2Ku Herrenberg auszeichnet.
Den krönenden Abschluss zu Beginn der Ferienzeit bildete schließlich das Zeltlager in Kempten, zu dem sich die C- und D-Jugend jetzt zum zweiten Mal in Folge aufmachte. Beim Aufbau der Großraumzelte packten die Handballer der SG Kempten-Kottern tatkräftig mit an – ein Zeichen, dass „Handballfamilie“ nicht nur eine leere Worthülse ist. Nach der Ankunft der Kinder ging es zunächst zum Baden an den See, ehe am zweiten Tag der Ausflug zum Wasserskifahren für strahlende Gesichter sorgte. Volleyballturniere, Tischtennisbattles, Akrobatikeinlagen, Tanzkurse zum Line Dance sowie zwei ausgelassene Karaoke-Abende rundeten die Tage ab. Höhepunkt war die große Campralley mit zehn Teams und Stationen wie Klopapierdosenwerfen oder „Der Boden ist Lava“. Zwischen Badesee, Bastelangeboten, einem tierischen Camp-Gast namens Hugo und einem stimmungsvollen Lagerfeuerabend unter klarem Sternenhimmel entstanden Erinnerungen, die weit über den Sport hinausreichen.
Der Blick nach vorn
Wer nun denkt, nach einem solchen Sommer sei erst einmal Verschnaufpause angesagt, der irrt: Der Terminkalender der SG-Jugend bleibt auch in den kommenden Wochen sowohl mit Training oder Spielen prall gefüllt.
Mit gleich sechs Mannschaften in der Oberliga, einem Team in der Regionalliga und einer beeindruckenden Zahl an Nachwuchstalenten, die sich für überregionale Sichtungen empfohlen haben, steht die Jugendabteilung der SG H2Ku Herrenberg vor einer vielversprechenden neuen Saison. Der Sommer 2026 hat einmal mehr gezeigt: Der Erfolg auf dem Feld ist bei der SG untrennbar mit dem Zusammenhalt daneben verbunden – mit Zeltlagern am See, Rasenturnieren mit Übernachtungen, Trainingslagern von Freudenstadt bis Kroatien, Schiedsrichterneulingen, Geburtstagsständchen mitten in der Nacht und einer engagierten Trainerschaft, die sich stetig weiterentwickelt. Die Vorfreude auf das, was die neue Saison bringen wird, ist bei allen Beteiligten jedenfalls schon jetzt mit Händen zu greifen.