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Ein Paar wächst schnell zusammen

9. August 2024/in Allgemein, Handballschule, Kuties, Männer 1/von petergebhardt

Thomas Hennefarth und Robert Wagner sind seit zwei Jahren als gemeinsames Schiedsrichtergespann in Württembergs Hallen unterwegs

Fast wie ein altes Ehepaar, was sich seit vielen Jahren kennt und aufeinander verlassen kann, kommen Thomas Hennefarth und Robert Wagner von der SG H2Ku Herrenberg daher. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Geschichte der beiden Schiedsrichter nur gemeinsam erzählt werden kann. „Uns gibt es nur zusammen“, lacht Thomas Hennefarth nicht ohne ernsthaften Hintergrund.

Wer das Schiedsrichter-Duo auf dem Parkett der hiesigen Hallen etwas genauer beobachtet, mag kaum glauben, dass die Karriere der beiden Unparteiischen kaum unterschiedlicher hätte verlaufen sein können. Thomas Hennefarth darf getrost als Urgestein der H2Ku-Schiedsrichtergilde bezeichnet werden. 1998 begann nach dem Karriereende für den inzwischen 46-jährigen die Tätigkeit an der Pfeife. „Ich wollte unbedingt etwas an den Verein zurückgeben“, nennt Hennefarth seine damalige Motivation. 11 Jahre später war er bis in die 3.Liga geklettert, hatte dabei auch viele Highlights erleben dürfen. „In ganz besonderer Erinnerung ist mir ein entscheidendes Spiel um den Zweitligaaufstieg zwischen Konstanz und Erlangen in einer proppenvollen Schänzle-Halle geblieben“, blickt er zurück in die Vergangenheit.

2009 war dann aber erst einmal für lange Zeit Schluss mit der Schiedsrichterei. „Durch den eigenen Nachwuchs blieb neben der Arbeit einfach keine Zeit mehr“, erklärt der selbstständige Diplom-Betriebswirt. Zwar trug sich Thomas Hennefarth lange mit Comeback-Gedanken, die Realisierung folgte aber dann zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Genau zum Beginn der Corona-Pandemie ging es für ihn wieder aufs Parkett. Mit seinem damaligen Gespann-Partner Andreas Schauperl reichte es 2020 genau für eine Partie, dann war schon wieder Schluss. Die folgende Saison ging dann sportlich problemlos über die Bühne, brachte aber auch den Fakt mit sich, dass Andreas Schauperl als Teampartner nicht mehr zur Verfügung stand.

Thomas Hennefarth (li.) und Robert Wagner

Zu jener Zeit, also in der Endphase der Saison 2021/2022, war Robert Wagner hingegen gerade mal im Besitz eines taufrischen Schiedsrichter-Scheins. Dem ebenfalls 46-jährigen, übrigens auch Trainer der dritten Frauenmannschaft und einer F-Jugend im SGH2Ku-Stammverein TV Haslach, waren schon lange die unsicheren Spielansetzungen durch fehlende Schiedsrichter ein Dorn im Auge. Durch den Aufbau des Arbeitskreises Schiedsrichter bei der SG H2Ku Herrenberg vor zwei Jahren war der Stein für Robert Wagner ins Rollen gebracht worden. „Gerade als Jugend-Trainer wollte ich eine gewisse Vorbildrolle für mein Team übernehmen. Die Zukunft liegt hier wie auch in der ganzen Gesellschaft in der Jugend“. So war für den Projektmanager im Hochbau im Frühjahr 2022 die Schiri-Ausbildung  nicht nur beschlossen sondern auch erfolgreich abgeschlossen.

Normal wären jetzt ein oder zwei Jahre im Nachwuchs als alleiniger Schiedsrichter an der Reihe gewesen. Doch es sollte anders kommen. Der ehemalige Schiedsrichter-Obmann der SG H2Ku, Ewald Hirneise, kam auf die durchaus mutige Idee, den sportlich mit allen Wassern gewaschenen Hennefarth gemeinsam mit dem Novizen Wagner zusammenzustecken. Das Projekt war sicher mit einigen Unwägbarkeiten gespickt, hatte aber andererseits auch eine geringe Fallhöhe. „Ich hatte wenig Bedenken. Aber wenn es tatsächlich nicht geklappt hätte, hätten wir halt anders weitergemacht“, so Thomas Hennefarth.  Befürchtungen, dass das Team  bei diesen unterschiedlichen sportlichen Voraussetzungen schnell wieder auseinanderfallen würde, waren grundlos. „Schon im ersten Gespräch haben wir festgestellt, dass wir das gleiche Verständnis als Schiedsrichter haben“, so Wagner. „Robert hat unheimlich schnell aufgeholt“, sagt heute der eine über den anderen. Im Gegenzug freut sich Wagner über den hohen Erfahrungsschatz, von dem er „sehr oft profitieren kann“ Für beide ist es von elementarer Bedeutung, dass sie sich auf Augenhöhe begegnen. „Auf dem Feld gibt es keine Hierarchien. Die Aufgabenbereiche sind zwischen Feld- und Torschiedsrichter klar abgesteckt“, so Thomas Hennefarth. Technische Hilfsmittel wie zum Beispiel Headsets ermöglichen aber eine deutlich bessere Kommunikation als früher. Diesen Vorteil hat das Gespann schon lange für sich entdeckt.

Unterschiedliche Wahrnehmungen während des Spiels reflektieren die beiden in der Nachbereitung, oft auch per Video-Analyse. Zudem gehört für beide eine akribische Spielvorbereitung zum Pflichtprogramm im Vorfeld ihrer Einsätze.  

Das gute Miteinander hat inzwischen dazu geführt, dass der Weg nach zwei Jahren vom Bezirk nun bis auf die HVW-Verbandebene in den B-Kader geführt hat. Das ist beileibe nicht selbstverständlich. Die Bedingungen für den Aufstieg sind für Jung und Alt zwar die gleichen, die physischen Leistungstest sind dabei mit zunehmender „Lebensreife“ aber nicht unbedingt einfacher zu erfüllen. Der weitere sportliche Weg ist für beide indes spannend, man will sich mit den Zielen aber gar nicht mehr so weit aus dem Fenster lehnen.

Denn da es gibt noch einen ganz anderen Motivationsgrund für das Gespann. „Wenn wir vermitteln können, wie schnell es nach oben gehen kann, spornt das vielleicht auch unsere Jugend an, sich für den Weg als Schiedsrichter zu begeistern“, hofft Robert Wagner. Das Allerwichtigste neben dem Erfüllen des Schiedsrichtersolls für den eigenen Verein und anderen sportlichen Aspekten ist sowohl für den dreifachen Familienvater Wagner als auch für Thomas Hennefarth zudem noch etwas anderes. „Entscheidungen treffen, respektvoll und fair miteinander umgehen sind Dinge, die man in jungen Jahren als Schiedsrichter oder Schiedsrichterin hervorragend lernen kann und den Charakter formen“. Sollten diese Worte letztlich auf fruchtbaren Boden fallen, wäre die Mission des Duos für beide eigentlich erfüllt. Dann ist auch die eigene Liga fast schon wieder egal.

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